Das größte Klo der Welt - Texter Sautter
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Das größte Klo der Welt

Das größte Klo der Welt

Warmfahren, Etappe 3 (Hornberg – Freiburg)

Triberg hat den längsten. Ohne Superlativ geht da nichts. Der höchste Wasserfall Deutschlands ist überall ausgeschildert. Und wo noch Schilderplatz war, zeigen Pfeile zur größten Kuckucksuhr der Welt. Oder sie zeigen in Gegenrichtung zur Ersten größten Kuckucksuhr der Welt. Jaja. Die Schwarzwälder Uhrmacher mögen keine Armbanduhren. Größer muss es sein zum Kuckuck. Tatsächlich wurden die Gehäuse der Uhren von Bahnwärterhäuschen inspiriert. Wer auf die Schnapsidee mit dem Kuckuck kam, ist umstritten. Unumstritten ist jedoch, dass die Triberger kleine Gigantomanen sind. Solange der Wettbewerb um die Größte sich nur auf Triberg beschränkt, soll mirs recht sein.

Persönlich ziehe ich Hornberg vor. Da steht das größte Klo der Welt. 7 Meter hoch. Auf der Schüssel kannst du laufen. Das ist die Aussichtsplattform, die du betreten kannst, wenn du aus der Duravit Design Welt kommend wieder die normal undesignte Welt anschauen willst. Und bitte: Nicht jedes Schwarzwälder Gestaltungsidee sollte man das Klo runter spülen. Im Gegenteil: Dieser Superlativ ist angebracht. Man muss sich doch fragen: wie oft im Leben schaut man auf ne Kuckucksuhr, und wie oft sitzt man auf der Designschale. Hornberg sticht Triberg. Tatsachenentscheidung.

Jetzt, was tu ich in Hornberg? Boxenstopp. Flickzeug nicht immer zuverlässig. Grad wenn’s an der Naht durchpfeift. Also zur vertrauensvollen Servicestation mit den Schläuchen mit langen Ventilen. Meine Beine fanden das gut, die waren noch kaputt von gestern. Freier Vormittag ohne Strampeln. Während Sportskamerad Dietrichs Haxen schon mal Meter gemacht haben. Er kümmerte sich um die gepflegte Originalroute. Hier sein Bericht.

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Peleton auseinanderreisst. Gestern war es Muskelschwäche, heute war es Materialermüdung, die die Teamtour in zwei Solofahrten verwandelte. Dabei sah es noch gestern nur änach einem kurzem Boxenstopp aus – dank der brillianten telefonischen Intervention einer Fahrerfrau: „Wie wärs statt Schlauchwechsel im Laden mit Flicken von Hand??! „
Auf diese geniale Idee waren die geräderten Texter am gestrigen Abend natürlich nicht gekommen, sie wälzten bereits Zugfahrpläne und rauften sich ausgiebig die Haare, ob der dünnen Werkstattdichte: Denn das Industriestädtchen St. Georgen beherbergt zwar High-Tec Firmen, die moderne Kunstsammlung Grässlin und das deutsche Phonomuseum ( Dual! ) aber eben keinen Radladen. Aber ok, wo man Platten ausstellt, gibt es eben niemand der Platten beseitigt – auch irgendwie logisch.
Dank der intellektuellen Unterstützung von der Heimatfront und dem ungewöhnlich umsichtig bepackten Dr. Krauss, konnte Feinmechaniker Sautter also das Loch selbst flicken. Im vornehmen Designzimmer des Hotels Federwerk wurde Hand angelegt, wie einst als hier noch Uhren gefertigt wurden, obendrauf gab’s noch eine Kopfnote Vulkanisierungsgel . Die umständliche Zugfahrt zum Hornberger Radladen blieb uns also erspart – bis zum nächsten Morgen zumindest, als dem Orbea schon am ersten Berg wieder die Luft ausging. Unversehens stand der ausnahmweise führende Besenwagen Krauss allein im Wald und quälte sich zugegebenermaßen unanständig kurz mit der moralischen Frage : Gebietet die Ethik der Radtourgemeinschaft den solidarischen Abbruch der Runde und den gemeinsamen Gang zu Werkstatt? Oder ist es nicht viel mehr im Sinne der Glücksmaximierung, aber auch des liebevollen Planers, wenn wenigstens ein Mensch in den Genuss schwarzwäldlerischer Nebenstrassen mit Schlussrampe kommt?? Natürlich wurde die moralische Herausforderung angenommen: Dreimal fand mich in wundervollen Seitentälern wieder und begrub auf den lichten und unebenen Hochebenen meine Schwarzwaldaversion. Brav verkniff ich mir im Namen des verhinderten Planers jede flache Abkürzung, fand mich dreimal auf exakt 1060 Meter wieder und nahm den Geist der Route so ernst, dass ich mich – um den Mainstream der Bundestrasse zu meiden – noch am späten Nachmittag auf das Breitenauer Hochplateau in schwitzte, um dann 800 Meter auf der Gravelpiste ins Tal gen Kirchzarten zu stürzen. Und wer wartete dort im Wirtshaus schon eine Stunde auf mich? Richtig.
So blieb von der letzten Team Etappe nur ein Ausrollen – gemeinsam an der Dreisam in den Freiburger Frühling. Dort brechen alle in den Urlaub auf, aus dem wir kommen.

Erkenntnis der Tour: Hat prima funktioniert. Uns wär’ jetzt warm.

Schönwald
Furtwangen
Glashütte Hexenloch