Der Wesp - Texter Sautter
18305
post-template-default,single,single-post,postid-18305,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,footer_responsive_adv,qode-theme-ver-9.2,wpb-js-composer js-comp-ver-4.11.2.1,vc_responsive

Der Wesp

Spritztour (Vorbereitung)

Jetzt geht das wieder los. Wir sind gut gespritzt und einigermaßen schlecht vorbereitet. Mehr kann man nicht verlangen, wenn die alten Herren auf Spritztour gehen. Lustig wird’s. Um so mehr, wenn was schief geht. Echtes Radreisen fängt an, wo die Planung aufhört. Ich erinnere mich noch, wie wir einst in einem Schweizer Dönerladen Zuflucht und Trockenheit gefunden hatten. Ich leichenblass und ziemlich blaulippig. Unter mir ein See, den ich von draußen mitgebracht hatte. Am liebsten hätt ich mich auf den Dönerspieß gesteckt und mich um die Grillstäbe gedreht. Die Szene endet schließlich mit einem beherzten Blick auf den Fahrplan der Schweizer Bahn. Das Ganze führte aber auch dazu, dass wir den Tag , an dem alle Wolken entzwei brachen, nie vergessen werden. Oder der Wintereinbruch Ende August, als ich nach der Abfahrt vom Stilfser Joch die Eisklümpchen von den Sommersöcken runtermeißelte. Super unvergesslich. Ganz zu Schweigen von der Kehrtwende an den Schneefeldern des gesperrten Grimselpasses. Ach, das waren doch wundervolle Drecksmomente, als wir schnell einen Plan B benötigten. War doch legendär, oder?

Diesmal gehts schon vor dem Start schief. Nur moderat zwar, aber durchaus verheißungsvoll. Rad-Komplize Michl hat sich auf der letzten Trainingsfahrt hingelegt, direkt vor zwei Damen mit Hund. Aber der Michl eine Katze. Fällt immer auf die Beine. Meinereiner wollte den frischen Thymian ganz unten am Stock abschneiden. So machen es die guten Gärtner. Die ganz Guten wissen aber auch: Obacht wenn der Thymian blüht. Wegen Wespen und so.

Warum sind eigentlich so viele Insekten weiblich? Dieser Punkt wird in der Gendersprachdebatte häufig ignoriert. Die Wespe, die Biene, die Spinne, die Gottesanbeterin. Weiblich. Glückskäfer bestätigen die Regel. Der große Dichter Michael Schönen hat schon vor Jahren versucht, im Insektenreich für Chancengleichheit zu sorgen. Indem er von Ameis bis Zikad feine Verse formulierte. Männliche. Zum Beispiel Buchstabe F „Um meinen Kopf, da summt der Flieg / solange nur, bis ich ihn krieg.“ Buchstabe K: „Noch lang nicht darf der Käferlarv, / was ein erwachs‘ner Käfer darf. Buchstabe S: „Gefährlich ist das Netz des Spinn / wer da hinein kommt, bleibt auch drin“ Mein Liebling im schönen Insektabet ist das P. Schönen reimt: „Der Pferdebrems heißt ganz verkehrt, denn er beschleunigt noch dein Pferd. “ Womit wir wieder beim Radfahren wären. Für diesen Schub muss man kein Pferd sein. Ein Arsch wie ein Ackergaul reicht völlig. Pfeilschnell schoss ich einst über die Schwäbische Alb als mich ein fulminanter Pferdebrems unvermittelt auf den Hintern knutschte. Auch an solch kleinen Pannen darf man sich auf Reisen erfreuen.

Fliegen wir also dem gemeinen Wesp und dem heimtückischen Pferdebrems davon. Freund und Radabenteurer Martin hat im polnischen Flachland die Höchstgeschwindigkeit des Masurischen Mück auf rund 19 Stundenkilometer taxiert. Wär er langsamer geradelt, hätte der Mück gestochen, erzählte er. Da hoffe ich auf den Berner Bien. Wir radeln via Schweiz. Möge der Bien sein stupfiges Tagwerk mit der sprichwörtlichen Gemächlichkeit der Berner verrichten.

Erkenntnis des Tages: Wenn man allerdings von einem Wesp oben in den Ringfinger gestochen wird, sollte man den Ring abnehmen. Ehe hin oder her. Sonst kriegst du das Ding nicht mehr runter.

Tags: