Tour Malheur, Etappe 4, Leitza – Eugi, 67 km, 1250 Höhenmeter 

Der Michl heute die „Püreenäen“ gezeichnet. Natürlich tadellos. Trotzdem wunderte ich mich kurz, dass er vor lauter „Püree“ das Verb „nähen“ liegen ließ. Andererseits: Wenn sich Wortwitze in Karikaturen selbst überholen, ist ja vor lauter Mühe der Witz beim Teufel, der Schmunzler bleibt im Hals stecken und geholfen ist niemandem. Außer mir. Mir wär mit „nähen“ geholfen gewesen. Wegen Überleitung. Denkt Euch bitte eine elegante Überleitung. Danke. 

Schließlich taste ich mich langsam in die Pyre-Nähe vor. Mit meiner Nähmaschine. Du musst wissen: Die Nähmaschine wird beim Radeln gerne als gerne als Synonym für die Trittfrequenz hergenommen. So schnell wie die Nähmaschine tackert, so flink musst du treten. Jetzt muss ich dir nicht kommen als wär ich ein Physiognom. Aber weil das Missverständnis weit verbreitet ist, geb ich kurz den Eierlikör-Erklärbär.

Jetzt warum ist der Rat nie falsch, kleiner zu schalten und schneller zu kurbeln, als du eigentlich denkst? Und warum sind gerade diese basischen Rampen so fies, wenn du ein Rennrad hast.? Weil da gehen dir schnell die Gänge nach unten aus und was eine Nähmaschine sein sollte, läuft dann halt auf Handbetrieb. Sogar bei mir, obwohl ich mir extra ein so genanntes Bergritzel habe montieren lassen. Fachbegriff: Rettungsring. Umgangssprachlich: ein sehr dünner Gang, der verhindern soll, dass du schieben musst. Und genau in diesem Rettungsring habe ich am ersten Berg, den man einen echten Pyrenäen-Pass nennen könnte, ausführlich verwendet. Sogar in den flachen Zwischenstücken. 

Ich hab mich förmlich gezwungen, nicht hochzuschalten. Weil: je kleiner die Übersetzung und je schneller du kurbelst, desto länger hältst du durch. Also Nähmaschine einschalten. Weil ich sicher bin, dass jetzt ein paar Trittfrequenzchecker mit Selfmesuring-Kompetenz und App im Dauereinsatz mitlesen, schalt ich einen Erklärgang hoch. 

Denn du könnest sagen, Moment mal, könntest du sagen, meine App zeigt doch beim Laufen eine Frequenz zwischen 50 und 60 – und ich soll jetzt 90 treten, so viel schneller ist das doch nicht! Aber Obacht. Die Trittfrequenz beim Gehen zählt jeden Schritt. Die Trittfrequenz beim Radeln die Kurbelumdrehungen. Wenn du also Gehen und Radfahren vergleichst, müsstest du eigentlich die Frequenz beim Gehen halbieren. Und damit wird deutlich: Du solltest viel viel viel schneller kurbeln. Viel schneller. 

Warum ich dir das so haarfein aufdrösle, ist folgendes: Die Leute verschwenden ihre Energie ja nicht absichtlich, sondern aus Intuition, weil sich’s gut anfühlt, wenn sie den Rhythmus vom Gehen gewohnt sind. Ein Schritt =  (istgleich) einmal das Pedal runter getreten. Das sagt die Intuition. Da musst du praktisch deine innere Voreinstellung überwinden. 

Nimm nur mal die E-Biker. Ob ein E-Antrieb dran ist oder nicht, das erkennst du von weitem. Wer eine große Mühle tritt, ist einer mit E. Der kann ja gelassen Energie verschwenden. Wie der Pogaçar dagegen kurbelt, muss ich dir nicht erzählen. Wie die gute Pfaff bei meiner slowenischen Schneiderin. 

Malheur des Tages: Das ist mir schon vor zwei Wochen passiert – im Drogeriemarkt, als ich mir die angebrachte Ration Sonnencreme besorgt hatte. Beherzt ins Nachhaltigkeits-Sortiment gegriffen, biologisch, dynamisch und sonstwas. Ergebnis: Ich sitz in den Cafés und keiner sieht mich. Teint wie Raufasertapete weiß gestrichen. Super Sonnenschutz, aber bleich wie der König von Schottland. Weil Weißeleffekt, steht klein auf der Tube. Das Zeug ist so hartnäckig, da musst du beim Duschen gründlicher rubbeln als bei Motoröl. Sonst läufst du morgen noch mit dem Sonnenschutz von gestern rum. (Ja, ich weiß, das hab ich 60 Jahre gemacht und jetzt, wo ich‘s weiß (!), flenn ich rum. Nimm es als weiteres Beispiel für einen Wortwitz zuviel.) 

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